8. Mai 2026

Die DZ PRIVATBANK hat sich als Kompetenzzentrum für Stiftungen und Non-Profit-Organisationen (NPOs) in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe etabliert. Mit über 1.000 begleiteten Kunden und einem betreuten Vermögen von knapp 3,5 Milliarden Euro verfügt das Haus über eine tiefgreifende Expertise. Chris Fojuth, der den Bereich verantwortet und selbst ehrenamtlich als Vorstand in drei Stiftungen tätig ist, erläutert die zentralen Aspekte für eine erfolgreiche Stiftungsarbeit.
Professionelle Begleitung von der Idee bis zur Gründung
Der Weg zur eigenen Stiftung ist komplex. Er beginnt bei der ersten Vision, geht über die Wahl der passenden Rechtsform und endet bei der finalen steuerlichen und rechtlichen Umsetzung. Eine professionelle Begleitung, die bei Bedarf externe Juristen und Steuerberater einbezieht, ist hier entscheidend. Dazu gehören die Ausarbeitung der Satzung, die Abstimmung mit Behörden und die Entwicklung einer langfristigen Strategie für Zweck und Vermögen.
Die Grundpfeiler der Stiftungs-Vermögensverwaltung
Eine speziell auf Stiftungen ausgerichtete Vermögensverwaltung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Portfoliomanager müssen mit den Kernthemen vertraut sein: realer Kapitalerhalt, planbare Erträge und langfristige Stabilität, abgesichert durch hohe Risikokontrollen und maximale Transparenz.
Die Anlagerichtlinie – Eine unverzichtbare Leitplanke Seit der Stiftungsrechtsreform ist die Anlagerichtlinie im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. Sie fungiert als eine Art „kostenlose Haftpflichtversicherung“. Da in Stiftungsorganen oft unterschiedliche Meinungen zur Geldanlage aufeinandertreffen, hilft die Richtlinie, eine gemeinsame und für alle tragbare Anlagestrategie zu definieren und festzuschreiben.
Aktives Management und breite Diversifikation Volatile Märkte erfordern ein aktives Management. Ein Top-Down-Ansatz ermöglicht es, schnell auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren und Portfolios abzusichern. Gleichzeitig ist Diversifikation zentral, um Risiken zu reduzieren. Eine breite Streuung mit geringen Anteilen pro Einzeltitel (z.B. 1-2 %) schützt das Stiftungsvermögen effektiv.
Nachhaltigkeit (ESG): Mehr als nur ein Trend
Nachhaltigkeit ist in der Welt der Stiftungen und NPOs seit Jahrzehnten ein relevantes Thema. Das oberste Ziel ist, mit der Kapitalanlage nicht den eigenen Stiftungszweck zu konterkarieren. Dabei gibt es nicht „die eine“ Nachhaltigkeit – eine Umweltstiftung hat andere Präferenzen als eine Kirchen- oder Bildungsstiftung. Diese individuellen Werte lassen sich heute sehr gut in der Kapitalanlage abbilden. Eine nachhaltige Strategie reduziert nicht nur Reputationsrisiken, sondern schafft auch positive Anknüpfungspunkte für Fundraising und die Öffentlichkeitsarbeit.
Individuelle Strategien für individuelle Stiftungen
Jede Stiftung ist einzigartig in ihren Zielen, Ausschüttungsanforderungen und ihrem Risikoprofil. Eine maßgeschneiderte Vermögensverwaltung ist daher besonders sinnvoll. Spezialfonds spielen dabei eine große Rolle, da sie hohe Flexibilität, Transparenz und eine vereinfachte Buchhaltung bieten. Reine Beratungsmandate sind seltener, da sie eine hohe Kompetenz und einen erheblichen zeitlichen Aufwand in den Gremien erfordern.
Ein zunehmend diskutiertes Thema sind zudem Alternative Investments wie ELTIFs, die den Zugang zu Privatmärkten ermöglichen. Stiftungen werden hier offener, jedoch eignen sich diese komplexen Produkte vorrangig für größere Organisationen, deren Organe die Funktionsweise vollständig verstehen.
Aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen
Stiftungen sehen sich heute mit vier wesentlichen Herausforderungen konfrontiert: sehr volatile Kapitalmärkte, steigende Inflation, wachsende regulatorische Anforderungen und eine zunehmende Komplexität der Anlagemärkte. Die vergangene Niedrigzinsphase hat den Druck auf Stiftungen enorm erhöht und viele dazu bewegt, ihre Anlagestrategie zu professionalisieren.
Für die Zukunft zeichnen sich klare Trends ab: Das Thema Nachhaltigkeit wird noch relevanter und ist schon heute bei kaum einer Ausschreibung wegzudenken. Gleichzeitig führen die komplexen Märkte zu individuelleren Anlagestrategien. Und nicht zuletzt bleibt die Stiftungsgründung im Rahmen von Nachfolgeregelungen ein zentrales Thema, da weiterhin große Vermögen vererbt werden.
Das vollständige Video-Interview mit Chris Fojuth, geführt von Jörg Birkelbach, finden Sie hier.
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